Noch bevor die Sonne aufgeht, beginnt ihr Tag in einem kleinen Dorf im Osten Tansanias. Als alleinerziehende Mutter von vier Kindern hat Mayasa alle Hände voll zu tun: Frühstück richten, die Kinder für die Schule vorbereiten, den Haushalt erledigen. Danach führt ihr Weg dorthin, wo ihre Pflanzen wachsen – mitten in den tropischen Urwald. Dort ranken sich ihre Pfefferpflanzen bis zu zehn Meter hoch an den Bäumen empor. Mayasa pflegt sie mit großer Sorgfalt: Sie schneidet zurück, entfernt Blätter, setzt neue Pflanzen und gibt dem Pfeffer das, was er gerade braucht.
Zwischen abhängigkeit und stolz
Die Bedingungen im tropischen Klima sind ideal für den Pfeffer – und gleichzeitig herausfordernd. Hohe Luftfeuchtigkeit, intensive Sonne und starker Regen verlangen viel Aufmerksamkeit. „Wenn es zu sonnig ist, trocknen die Pflanzen aus. Regnet es zu viel, werden die Blüten rausgewaschen. Beides bedeutet Rückschritt“, erklärt Mayasa. Seit dem Tod ihres Mannes führt die sie die Farm allein. Die körperliche Arbeit sei hart, aber ihre Motivation, die Familie versorgen zu können, größer.
Für manche Arbeiten ist sie jedoch auf Unterstützung angewiesen. „Die Pflanzen werden sehr hoch. Für das Zurückschneiden brauche ich Hilfe von Männern, die hinaufklettern. Für uns Frauen ist das zu gefährlich." Die Ernte erfolgt in sorgfältiger Handarbeit – unter oft schwierigen Bedingungen. Und doch ist genau diese Zeit für Mayasa die schönste: „Wenn ich sehe, was gewachsen ist, wofür ich so lange gearbeitet habe, und was nun geerntet werden kann. Denn mit dem Geld kann ich meine Familie versorgen.“
frauen leisten sehr viel
Mayasa gehört zu den wenigen Bäuerinnen, die über ihr eigenes Einkommen verfügen können. Das sei nicht selbstverständlich. Aus eigener Erfahrung und von anderen Frauen in der Landwirtschaft weiß sie, dass die Ungleichheit groß ist: „Nach der Ernte wird das Geld oft nicht fair verteilt“, erzählt sie. „Männer erhalten den größten Teil, Frauen bekommen wenig oder gar nichts.“
Hinzu kommt, dass viele Frauen keinen Zugang zu Krediten hätten, weil sie offiziell nicht als Eigentümerinnen auf dem Papier registriert sind. Dabei tragen sie den Großteil der Arbeit: auf den Farmen, im Haushalt und in der Familie. „Frauen leisten sehr viel – und bekommen am Ende weniger Geld, als ihnen zusteht.“
eine zukunft, die wachsen darf
Mayasas Wünsche sind bescheiden und tief verwurzelt: Sie möchte ihre Familie gut versorgen können, ihre Bedürfnisse erfüllen, den Kindern Bildung ermöglichen und das Zuhause erhalten können. „Es würde mich freuen, meine Kinder auch in der Landwirtschaft arbeiten zu sehen, im Verkauf oder im Handel. Aber ich hoffe, dass sie nicht auf den Feldern arbeiten müssen.“
Für sich selbst hat sie einen Traum: ihre Farm weiter auszubauen. Und für die Zukunft wünscht sie sich vor allem Gleichberechtigung, mehr Unterstützung für Frauen und besseren Zugang zu den Märkten. „Alles, was das Leben für Frauen besser macht.“
Was es für sie persönlich bedeutet, Bäuerin zu sein? „Landwirtschaft ist ein Lebensstil – es ist mein Rückgrat und bedeutet für mich finanzielle Sicherheit. Es bedeutet viel für mich – Landwirtschaft ist mein Leben.“
Gemeinsam wachsen
Mayasa ist Teil eines Anbauprojekts in Tansania, bei dem viele Bäuerinnen und Bauern Gewürze für SONNENTOR anbauen. Verbunden sind sie durch eine langjährige Partnerschaft mit Cleopa Ayo, der die Bauernfamilien begleitet, berät, unterstützt und verbindet.