Der östliche Teil Niederösterreichs ist eine der sonnenreichsten Regionen des Landes und wird auch liebevoll der Gemüsegarten Österreichs genannt. Hier, wo sich Acker an Acker reiht, liegt der Betrieb von Nina Hansi. Auf ihren Feldern baut sie neben Getreide, Linsen und Zuckerrüben auch Druschgewürze in Bio-Qualität an. Ob Anis, Kümmel, Koriander, Fenchel oder Senf – sie alle finden hier beste Bedingungen zum Wachsen. Und nach erfolgreicher Ernte ihren Weg nach Sprögnitz zu SONNENTOR.
2020 ist Nina als Quereinsteigerin in den Betrieb ihres Vaters eingestiegen. Seit 2025 leitet sie den Hof selbstständig. Ihr Vater unterstützt sie weiterhin, ist aber mittlerweile in Pension. „Es ist natürlich toll, freie Hand zu haben. Gleichzeitig ist es manchmal aber auch herausfordernd, allein verantwortlich zu sein.“
Schlechtes Wetter – gute Stimmung
Zu ihren größten Herausforderungen zählt sicherlich der Klimawandel. Den spüren Nina und ihr Vater heuer besonders stark. Wochenlange Phasen ohne Regen verlangen ihnen viel Zeit und Ressourcen ab. „Gleichzeitig sind wir in der privilegierten Lage, dass wir gießen können. Wie geht’s denen, die zuschauen müssen, wie ihre Pflanzen vertrocknen?“, gibt Nina zu bedenken. Bei unserem Hofbesuch hat sich schließlich der lang ersehnte Regen eingestellt. Der perfekte Tag für unser Gespräch – denn wenn die Natur für die Bewässerung sorgt, hat Nina Zeit, uns von ihrem Leben zu erzählen.
Von Anfang an
Obwohl Nina am Betrieb aufgewachsen ist, musste sie in die Landwirtschaft erst hineinwachsen, denn es war nie geplant, dass sie den Hof mal übernimmt. Diese Aufgabe hatte ihr Vater für ihren jüngeren Bruder vorgesehen. „Einfach weil es immer schon so war, dass der Mann den Hof übernimmt. Mein Vater hat sich damals nicht vorstellen können, dass ich als Mädchen das pack.“ Doch ihr Bruder hatte – im Gegensatz zu Nina – nie Ambitionen, in die Landwirtschaft zu gehen. Als klar war, dass sein Herz für Software-Entwicklung schlägt, war die langfristige Zukunft des Betriebes für ihren Vater ungewiss.
Vom Hörsaal aufs Feld
Nina absolvierte in der Zwischenzeit ein Lehramtstudium an der Universität Wien. Doch kurz vor ihrem Abschluss beschloss sie: „Ich mach das jetzt. All in!“ Nachdem sie ihren Vater überzeugen konnte, es zu probieren, ging es nochmal ans Studieren. Sie startete mit der Ausbildung zur landwirtschaftlichen Facharbeiterin und schloss nebenbei noch ihr Lehramt-Studium ab. Nina musste sich das landwirtschaftliche Handwerk von Grund auf aneignen. „Ich war absolute Anfängerin. Ich konnte grad mal den Traktor starten“, lacht sie heute.
Als Frau allein auf weiter Flur
Auch wenn sie ihre männlichen Kollegen sehr schätzt, würde sich Nina freuen, mehr Frauen in der Landwirtschaft zu sehen. „Am Feld bin ich immer die einzige Frau. Und auch bei Versammlungen sind meist nur Männer anwesend. Dabei können Frauen einen Betrieb genauso gut schupfen“, ist Nina überzeugt.
Sie weiß aber auch, dass das natürlich seinen Preis hat. Denn neben dem Betrieb hat das Privatleben oft das Nachsehen. Vor allem im Frühjahr und Sommer ist sie von früh bis spät am Feld. Zeit für Familie und Freunde bleibt da oft wenig. „In manchen Phasen arbeite ich so viel, dass meine Familie scherzhaft meint, man könne auch einfach ein Foto von mir aufstellen", lacht sie. „Daher versuche ich mir im Winter viel Zeit für sie zu nehmen. Dann ist zumindest am Acker weniger zu tun."
Das Beste kommt zum Schluss
Das ist unser Stichwort, denn zum Abschluss geht’s raus aufs Feld. Hier finden bereits erste zarte Pflänzchen ihren Weg durch das Erdreich. Der Fenchel ist aufgrund des geringen Niederschlags noch sehr klein. Der Winterkümmel steht dafür schon in voller Blüte. „Den bauen wir dieses Jahr nicht für SONNENTOR an. Aber in den nächsten Jahren hoffentlich wieder“, sagt Nina augenzwinkernd. Also wenn diese Blütenpracht unser Einkaufsteam nicht überzeugt, wissen wir auch nicht.